MDK-PHYSIO  Praxis für Physiotherapie und manuelle Therapie seit 30 Jahr      


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Es ist sicher 24 Jahren her, als ich angefangen habe mich über das Phänomen „Schwindel“ Gedanken zu machen. Ich war damals in einem großen Kurzentrum in der Schweiz tätig. Die damalige Klientel war durchwegs im fortgeschrittenen Alter, und Probleme wie Kopfschmerzen, Schwindel oder auch Gleichgewichtstörung waren nicht selten. Meine Kollegen und ich, eine sehr internationale physiotherapeutische Mischung, waren allesamt nicht in der Lage Schwindel als Symptom ordentlich zu behandeln, oder überhaupt zu erkennen. Viele Vertigo-Patienten wurden daher nach den Prinzipien der Gleichgewichtsstörung (mittlerweile Balancedysfunktion) behandelt. Und das selbstverständlich ohne großen Erfolg. Allerdings war damals trotzdem der Kopfschmerz das größere Interessensfeld. Zumindest davon hatten wir in unsere Ausbildung und spätere Weiterbildungen schon mal was gehört und konnten somit zumindest ansatzweise eine gezielte Behandlung durchführen. Dachten wir zumindest. Allerdings waren wir auch da nicht besonders erfolgreich. Zu diesem Zeitpunkt hatte ich mich hauptsächlich mit Klassifikationssysteme und Therapiestrategien für Kopfschmerzen beschäftigt. Die rasante Entwicklung der ICF bescherte mich allerdings zunehmend Probleme. Es wurde immer schwieriger durch den unendlichen Jungle des Kopfschmerzes hindurch zu blicken.

So gab es primäre Kopfschmerzen, die unterteilt wurden in Migräne, Spannungskopfschmerzen, Clusterkopfschmerzen, andere Trigemino-autonome Kopfschmerzen, und andere primäre Kopfschmerzen, die beispielsweise noch mal eingeteilt wurden: primärer stechender Kopfschmerz, Hustenkopfschmerz, Kopfschmerzen bei Anstrengung, Kopfschmerzen im Schlaf, Donnerschlagkopfschmerzen, Hemicrania continua und täglich wiederholte Kopfschmerzen. Dann gab es noch Überkategorien des sekundären Kopfschmerzes, der kranialen Neuralgien und der verschiedenen Varianten des Gesichtsschmerzes. Und um abzuschließen gab es auch noch Kategorien mit nicht anderweitig klassifizierten Kopfschmerzen oder nicht weiter spezifizierte Kopfschmerzen.

Ein klares strukturiertes Managementmodell brachte ich damals nicht ganz zu Stande. Nicht zuletzt deswegen habe ich mich den Schwindel zugewandt. Tatsache war und ist noch immer, dass Vertigo und aber auch die Balancedysfunktion nicht besonders hoch am Plan der physiotherapeutischen Ausbildung gereiht ist. Als ich meine Ausbildung gemacht habe, hat „Vertigo“ als physiotherapeutische Behandlungsmodalität noch gar nicht existiert. Und auch jetzt gehört die spezifische Behandlung von Vertigo nicht zu der Basisausstattung der PhysiotherapeutInnen.

Im Laufe der Jahren habe ich ein diagnostisches und therapeutisches Managementsystem entwickelt, damit es möglich ist, Schwindel als Symptom zu klassifizieren und eine programmierte Behandlung dazu zu wählen. Das bedeutet in keinerlei Weise, dass alle Schwindel plötzlich physiotherapeutisch behandelbar wird. Aber eine Möglichkeit Ihren Schwindel zu erkennen und eventuell sogar zu behandeln besteht allemal.